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Bangkok
- Neuer Flughafen "Suvarnabhumi" |
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| Der neue Flughafen
in Bangkok war eine der größten Baustellen der Welt. Planung und Ausführung
dieses gigantischen Projektes erforderten von Planern und beteiligten Firmen
extreme Sorgfalt und eine äußerst intensive Zusammenarbeit in allen Phasen
des Projekts. Nachfolgend möchte ich zunächst einen Überblick über die
Gesamtmaßnahme geben, bevor ich dann am Beispiel der über 3.100 m langen "Concoursen"
die vorbildliche Zusammenarbeit von Planern und ausführenden Firmen
erläutere.

alle
Fotos: Murphy/Jahn - ITO) |
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1.
Planung |
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Modellaufnahme des New Bangkok International Airport |
Der Startschuss für
die Planung des neuen Flughafens in Bangkok fiel in einem internationalen
Architektenwettbewerb, aus dem das Chicagoer Architekturbüro Murphy/Jahn
unter Helmut Jahn im Jahr 1994 als Sieger hervorging.
Ziel des Wettbewerbs war es, Bangkok als zentralen Hub für den Flugverkehr
in Südostasien auszubauen. Deshalb sollte der Flughafen nicht nur den
modernsten technologischen Ansprüchen genügen, sondern aufgrund seiner
hervorragenden Architektur auch als neues Wahrzeichen von Bangkok gelten.
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Mit einer Nutzfläche
von über 610.000 qm handelt es sich beim neuen Bangkok International Airport
um einen der letzten Großflughäfen der Welt, der nicht durch die Erweiterung
einer bestehenden Anlage entstand, sondern von Grund auf neu gebaut wurde.
Gemeinsam mit dem Team um den Stuttgarter Ingenieur Werner Sobek entwickelte
Helmut Jahn ein 606 x 210 m großes, fugenlos konzipiertes Stahldachtragwerk,
welches das bestimmende architektonische Element des neuen Gebäudes ist.
Das Dach ruht in rund 40 m Höhe auf nur 12 Stützenpaaren. Die räumlich
verwundenen Hauptträger spannen im Mittelfeld über 126 m und ragen als
Kragarme beidseitig je 42 m über die Auflagerpylone hinaus. Sie spannen
somit über 210 m und bilden zusammen mit den 40 m hohen Pylonen eine
Portalrahmenkonstruktion.
Unter dem Hauptdach befindet sich das vollkommen verglaste Terminalgebäude
mit Grundrissabmessungen von 440 x 110 m. Das Tragwerk der 40 m hohen
Seilfassade entwickelt sich auf Basis eines Grundrasters von 9 m aus
vertikalen Pylonen. Dazwischen liegen die horizontalen Seilgespärre im
vertikalen Abstand von 2,25 m. Über sie sind mittels punktförmigen
Klemmhaltern die 2,25 x 2,25 m großen Verbundsicherheitsglasscheiben
fixiert.
Angrenzend an die mit einer Fläche von ca. 45.000 qm wohl größte je gebaute
Glasfassade der Welt befinden sich kunstvolle, in thailändischer Tradition
gestaltete Garten- und Tempelanlagen, die den Besucher nicht nur zum
Verweilen einladen, sondern ihm auch erste Eindrücke vom gastgebenden Land
vermitteln.
Vom Terminalgebäude ausgehend übernehmen als "Concoursen" bezeichnete
röhrenartige Konstruktionen die weitere infrastrukturelle Erschließung des
Flughafens.
Querschnitt durch "Concourse" und Dach des
Terminalgebäudes
Die im Querschnitt quasi elliptischen Concoursen bestehen im Wesentlichen
aus vier charakteristischen Strukturen, nämlich der Hauptwegestruktur (‚Typical
Bay’), dem Anschluss zum Hauptterminal (‚T-Link’), den Kreuzungsbauwerken (‚Concourse
Crossing’) sowie den Kopfenden(‚End Bay’). Die wichtigsten unter ihnen sind
die mit einer Gesamtlänge von fast 3.100 m aus 104 identischen Trägern
bestehenden ‚Typical Bays’, von dem jedes über eine Spannweite von 42 m und
einer lichten Bauhöhe von rund 20 m verfügt. Um einen optimalen
Materialeinsatz der zu verwendenden Rundrohre, vor allem hinsichtlich
Wanddicken und Lieferbarkeit, zu gewährleisten, fanden bereits in einem
frühen Planungsstadium intensive Abstimmungsgespräche mit der Firma
VALLOUREC & MANNESMANN TUBES statt.
Abweichend von den 104 typisierten Primärstrukturen ergaben sich an den
Enden der Concoursen, an der Verbindung zum Terminalgebäude und an den
Kreuzungspunkten Sonderbauwerke. Der Übergang zum Terminalgebäude (‚T-Link’)
wird mittels einer rechtwinkligen, über 27 m breiten Rahmenkonstruktion
realisiert. An den Kreuzungspunkten der ‚Typical Bays’ ergeben sich im
Grundriss große, über 4.000 qm stützenfrei gestaltete, vollkommen verglaste
Kreuzungsbauwerke, die so genannten ‚Concourse Crossings’. In Ausbau und
Rasterung folgen die Fassadenkonstruktionen prinzipiell den für die Typical
Bays entwickelten einlagigen Trägerrost-Konstruktionen aus
Rechteckhohlprofilen. Um die Kreuzungsbauwerke stützenfrei überspannen zu
können, unterteilen diagonal verlaufende, über 60 m spannende Crossing
Girders die Kreuzungsbauwerke in vier gleich große Segmente. Analog zum
Terminalverbindungsbauwerk bestehen die Crossing Girders aus jeweils
miteinander verschweißten einteiligen Ober- und Untergurten und fügen sich
so harmonisch in die Untersicht der verglasten Dachflächen ein.
Zwischen den Dreigurtträgern der typisierten Concoursen entwickelt sich ein
in Längsrichtung alternierendes System einer über 27 m spannenden,
dreilagigen Membrandachfläche und dazwischen liegenden verglasten
Seitenflächen. Die rund 20 m hohen, bis zum Kopfpunkt reichenden verglasten
Seitenflächen bestehen aus einem ebenen Rost aus warmgewalzten
Rechteckhohlprofilen 250x 150 mm, die miteinander biegesteif verschweißt
sind. Direkt auf die Primärstruktur erfolgt die Verglasung der Seitenflächen
mittels 1,50 x 2,25 m großen und 6 + 8 mm dicken VSG Scheiben. Diese sind
für Winddruck sowohl in vertikaler als auch horizontaler Richtung
liniengelagert. |
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2 -
Qualitätsanforderungen und Bemessung der Konstruktion |
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| Da die statische
Berechnung der Concoursen und damit auch die Materialvorgaben komplett durch
das Büro Werner Sobek Ingenieure in Stuttgart erfolgte, konnte bei diesem
Bauvorhaben, in Ergänzung zu den gängigen DIN Normen, erstmals die
Europäische Norm EN 10210 als technische Lieferbedingung für die
Stahlhohlprofile auch außerhalb Europas im größeren Umfang durchgängig
verwendet werden. Als Werkstoff wurde der für Hohlprofile standardmäßige S
355 J2H eingesetzt, der obligatorisch mit einem Werksabnahmezeugnis (3.1
B-Zeugnis) geliefert wurde.
Hauptträger während der Montage |
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3 -
Fertigungsprozesse, Vormontage und Montage |
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Schon während der
Planung fand eine beispiellose Interaktion, nicht nur unter den Planern,
sondern auch mit den beteiligten Fachfirmen statt. So wurde z. B. der für
die verglasten Seitenflächen erforderliche spezielle Glasaufbau schon
während der Planungsphase von Fachfirmen wie Bischoff Glastechnik (BGT) in
vielen Versuchen auf seine Machbarkeit hin überprüft. Gleiches gilt wie
bereits o. g. für die Zusammenarbeit mit V & M und dem Generalunternehmer
ITO, welcher sich aus dem für die Stahlstrukturen zuständigen thailändischen
Stahlbauunternhemen Italian-Thai Development (ITD) und den japanischen
Konsortialpartnern Obayashi und Takenaka konstituierte.
Am 19.01.2002, bei der Grundsteinlegung durch den thailändischen König,
wurde die feierliche Eröffnung in Anwesenheit des Königs auf den 29.09.2005
fest terminiert, so dass sich für die Ausführung aller oberirdischen
Strukturen eine Bauzeit von nur knapp 3,5 Jahren ergab. Dieses Ziel war nur
zu realisieren, wenn alle Gewerke Hand in Hand arbeiten und die Materialien
just-in-time geliefert werden.
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Lehrgerüste für
Concoursenfachwerkträger
(Zur größeren Ansicht Bilder anklicken) |
Innenansicht einer "Concourse" |
So erhielt V & M TUBES am 08.02.2002 den
ersten Teilauftrag zur Lieferung von runden und rechteckigen
Stahlbauhohlprofilen und bereits am 10.04.2002 verließ das erste
Containerschiff den Antwerpener Hafen Richtung Bangkok. Bis März 2004 wurden
insgesamt über 38.000 Tonnen Hohlprofile in den Werken Düsseldorf-Rath,
Mülheim, Hamm und Aulnoye (Frankreich) gefertigt, per LKW vom Herstellerwerk
zum Hafen Antwerpen gebracht und auf Container umgeladen. Es folgte der
Schiffstransport nach Bangkok und von dort wiederum die weitere Beförderung
per LKW zur ca. 50 km entfernten Stahlbauwerkstatt.
Die von V & M TUBES angelieferten Hohlprofile wurden zunächst von ITD in der
Stahlbauwerkstatt sandgestrahlt, um sie für die Lehrgerüste für
Concoursenfachwerkträger weitere Bearbeitung optimal vorzubereiten.
Anschließend wurden die Rohre auf die erforderlichen Maße abgelängt. Bei den
Hohlprofilen für die Concoursen entstehen dabei aufgrund der
dreidimensionalen Knotenkonstruktion hochkomplexe räumliche Schnittbilder
von kunstvollem Aussehen. Anschließend werden die einzelnen Rohrelemente zu
immer größeren Einheiten verschweißt und Ultraschall geprüft bis am Ende
Segmente entstehen, die entweder zwischengelagert werden oder direkt in
einem Lehrgerüst zur endgültigen Konfiguration zusammengefügt werden.
Entscheidend für den Erfolg der Baumaßnahme war auch, dass auf allen Ebenen
höchste Qualitätsstandards durchgesetzt wurden: So mussten z. B. die
Schweißer neben der grundsätzlich vorhandenen Schweißerprüfung für jeden
einzelnen Knotentyp einen separaten Eignungsnachweis erbringen.
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Montage der Membranflächen (Zur größeren Ansicht Bilder anklicken) |
"Concourse" mit
eingebauter Membranfläche |
Alle 104 Concoursen-Träger wurden auf dem
Werksgelände in einem 1:1-Lehrgerüst vormontiert,
um so die Richtigkeit der Konstruktion zu überprüfen. Durch diese zunächst
aufwendig erscheinende
Maßnahme konnte sichergestellt werden, dass alle Bauteile die erforderliche
Maßhaltigkeit
auch tatsächlich aufweisen. Dies erleichterte nicht nur die Montage, sondern
erlaubte auch
eine effiziente Montage durch mehrere parallel arbeitende Montagetrupps auf
der Baustelle, auf der z.T. über 7.500 Facharbeiter zeitgleich beschäftigt
waren. Der New Bangkok International Airport setzt als moderne
Stahl-Glas-Membran-Konstruktion neue Maßstäbe in Bezug auf Planungsumfang
und ästhetische Tragwerksformen, Interaktion zwischen Planern und
ausführenden Firmen sowie hochwertiger Fertigung und Montage.

Der Flughafen hat am 28. September 2006 um 03:00
Uhr den Betrieb aufgenommen und ist damit der modernste Flughafen Asiens.
Die ersten Flugzeuge steuerten bereits am Abend des 15. Septembers den neuen
Flughafen an (Inlandsflüge). Das erste Flugzeug im internationalen Verkehr
war eine Maschine der Lufthansa Cargo aus Mumbai kommend, die um 03:05 Uhr
eintraf. Der fast reibungslose Umzug vom alten zum neuen Flughafen war
letztlich den Erfahrungen des Münchner Flughafens zu verdanken, wo ebenfalls
innerhalb einer Nacht der gesamte Umzug vollzogen wurde. Auch Flughäfen in
Singapur, Kuala Lumpur und den Vereinigten Arabischen Emiraten profitierten
schon zuvor von diesen Erfahrungen.
Die Baukosten beliefen sich auf 120 Milliarden Baht. Das entspricht etwa 3,2
Milliarden US-Dollar.
Deutsche Pressemeldungen beziffern die Baukosten allerdings auf 3,8 bis 4
Milliarden Dollar. Bis heute sind Korruptionsvorwürfe bei der
Auftragsvergabe einzelner Bauunternehmer nicht ausgeräumt. |